16. Juli 2018

Offene Werkstatt für Digitalisierung eröffnet. Im Fokus: Digitale Standards für die mittelständische Industrie

Bottrop-Mittelstand-4.0©Birgit Andrich_020

Smart Home, Virtual Reality oder 3D-Druck: Die Verantwortlichen in kleinen und mittelgroßen Unternehmen kennen die Herausforderungen und wissen, dass auch sie ihre Betriebe digitalisieren müssen. Aber welche Maßnahmen sind für das einzelne Unternehmen sinnvoll? Und wie vermeidet man Abhängigkeiten von Software- und Serviceanbietern? Antworten darauf gibt die Offene Werkstatt des Mittelstand 4-0-Kompetenzzentrums eStandards, die gestern auf dem Campus der FernUniversität in Hagen offiziell eröffnet wurde.

„Begriffe wie ´eStandards` und auch `Digitalisierung` sind natürlich sehr abstrakt“, sagt Projektleiter Jörg Siegmann vom Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum, „Deshalb ist es so wichtig, dass der Mittelstand und das Handwerk hier endlich eine Möglichkeit haben, ganz konkrete Anwendungen zu erleben.“ In der Offenen Werkstatt Hagen wird beispielsweise demonstriert, wie ein Objekt dreidimensional gescannt und dann auf einem 3D-Drucker eine originalgetreue Kopie hergestellt wird. Diese Methode der „additiven Fertigung“ wird in Zukunft bei der Herstellung individualisierter Produkte oder von Kleinstmengen eine immer wichtigere Rolle spielen. Auch Anwendungen für das so genannte „Smart Home“ werden in der Offenen Werkstatt erlebbar gemacht: Sensoren steuern Licht- und Ton-Anwendungen genau da, wo sie gebraucht werden – automatisch.

Das Entscheidende bei allen gezeigten digitalen Anwendungen ist: Sie funktionieren nur durch freie, offene Standards automatisch und herstellerübergreifend. Die Standards werden in der Regel auf globaler Ebene vereinbart. Durch den Einsatz dieser „eStandards“ vermeiden die Nutzer, sich und ihr Unternehmen langfristig und mit hohem finanziellen Aufwand an einen Anbieter zu binden. Neben erheblichen Kosteneinsparungen ergeben sich für Unternehmen ganz neue Geschäftsmodelle, z.B. im Bereich der individualisierten Produktion.

„Mit der Offenen Werkstatt in Hagen haben wir nun die dritte regionale Anlaufstelle rund um die Digitalisierung mit eStandards in Deutschland eröffnet“, erklärte Bettina Bartz, Geschäftsstellenleiterin des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards. „In den Werkstätten Leipzig, Köln und Hagen bieten wir mittelständischen Unternehmen die Chance, digitale und nachhaltige Technologien und eStandards kennenzulernen und selber auszutesten.“

Die FernUniversität bietet für die Offene Werkstatt einen idealen Standort: Mit ihren Lehr- und Lernformaten und Forschungen zur Digitalisierung bestehen zahlreiche Anknüpfungspunkte zum Thema Arbeit 4.0. Außerdem profitiert die Hochschule auch von der High-Tech-Ausstattung. In ihrer Begrüßungsansprache sagte Rektorin Prof. Dr. Ada Pellert: „Ich bin mir sicher, dass wir hierdurch neue Kooperationsmöglichkeiten zwischen Wissenschaft und Wirtschaft entwickeln werden.“ Für Forschung und Lehre sei es wichtig, auch die Anforderungen und Perspektiven kleiner und mittelständischer Unternehmen zu kennen. Im Hinblick auf den Fachkräftemangel in Deutschland mache sich die FernUniversität auch für eine „durchgängige Bildungskette aller Akteure“ stark; Betriebe, Handelskammern, Fachhochschulen und Universitäten sollten stärker kooperieren, nicht zuletzt um IT-Berufe attraktiver zu machen, so Pellert.

Zur Eröffnung kamen über 120 geladene Gäste, überwiegend aus mittelständischen Unternehmen und Handwerksbetrieben. In Fachvorträgen über Pilotprojekte des Kompetenzzentrums und in einem World-Cafè informierten sie sich über verschiedenste Aspekte des Einsatzes von eStandards in der betrieblichen Praxis, z.B. zur Auftragssteuerung in der Produktion, neue Methoden zur Marktbeobachtung oder optimierte Tourenplanungen mit Open-Source-Lösungen.

Praktiker und Experten zahlreicher Partnernetzwerke unterstützen die Veranstaltungen mit ihrem Input, darunter Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren Dortmund und Ilmenau, der Mittelstand 4.0-Agentur Prozesse, die Unternehmernetzwerke Fachwerk Metall, In|Die RegionRuhr, Gebäudetechnik Südwestfalen, Kompetenznetzwerk Oberflächentechnik, Netzwerk Draht, Netzwerk Maschinenbau Südwestfalen und wisnet und Vertreter der Hochschulen und Weiterbildung aus der Region, darunter der FernUniverstität in Hagen, Fachhochschule Südwestfalen, University of AppliedSciences Europe (BiTS), Euro-Schulen Westfalen und Cuno1-Berufskolleg für Technik der Stadt Hagen.

 

Hintergrundinformation Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards

Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards gehört zu Mittelstand-Digital. Mit Mittelstand-Digital unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen und dem Handwerk. Mittlerweile über zwanzig Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren stehen Unternehmerinnen und Unternehmern bundesweit bei der Digitalisierung ihrer Prozesse im Betrieb zur Seite.

Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards zeigt kostenlos und anbieterneutral, wie Unternehmen mit Hilfe von Standards nachhaltige digitale Geschäftsideen entwickeln und in die Praxis umzusetzen können. Getragen wird das Kompetenzzentrum von einem Zusammenschluss der Partner der HAGENagentur Ges. für Wirtschaftsförderung, Stadtentwicklung, Tourismus mbH, des Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production gGmbH, des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik (FIT) Sankt Augustin und des Fraunhofer-Zentrums für Internationales Management und Wissensökonomie IMW unter der Konsortialführerschaft der GS1 Germany GmbH.

Weitere Informationen unter: www.kompetenzzentrum-estandards.digital

Kontakt

Ulrich Hardt
Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards
Projektbüro Hagen
c/o HAGENagentur f. Wirtschaftsförderung GmbH
Elberfelder Str. 95, 58095 Hagen
Tel +49 2331 80999-49
E-Mail: hardt@kompetenzzentrum-estandards.digital
www.kompetenzzentrum-estandards.digital