24. September 2015

Wo kann ich Industrie 4.0 kaufen?

Maschinenbau

Ihm ging es wie vielen anderen Mittelständlern. „Das ist ja alles interessant, was sie hier präsentieren, nur wo kann ich Industrie 4.0 nun kaufen?“. Eine Teilnehmerfrage der Veranstaltung „Roadmap Industrie 4.0“ am 26. August 2015 beim Fraunhofer Institut IML in Dortmund, die nur vordergründig belustigend wirkt. Sie spiegelt die Haltung vieler Unternehmen wieder, die das „Packende“ der vernetzten digitalisierten Produktion weiter suchen. Kommen dann noch Begriffe wie Cyber Physical Systems“ hinzu, dann folgt die lapidare Pausenanmerkung: „Wir haben ja noch nicht mal ein schnelles Internet an unserem Standort. Wie soll dann die Maschinenkommunikation weltweit funktionieren?“

Dabei war das, was Fraunhofer zusammen mit agiplan Unternehmensberatung in Dortmund präsentierte schon sehr praxisnah. Ob die Videodrohne, die selbstständig eine Inventur im Lager durchführt, die kleinen Schwarmfahrzeuge, die selbst steuernd zu Dutzenden das Material transportieren oder additive Fertigungssysteme (3-D-Drucker), die Ersatzteile auf Bedarf produzieren – alles niederschwellige Lösungen für den gewerblichen Mittelstand.

Aber vielleicht liegt es daran, dass die Forscher es auch bei ihren mittelständischen Unternehmen meist mit Anbietern von Komponenten im Bereich des Internets der Dinge zu tun. Diese Industrieausstatter haben halt ein anderes Geschäft als die industriellen Anwender, deren Kernkompetenz z. B. das Frittieren von Pommes Frites ist. Hier vollzieht sich die Innovation durch die Investitionsgüterindustrie mit neuen Lösungen oder durch die veränderten Anforderungen wichtiger Kunden oder Lieferanten. Zeit, Kraft und Kreativität, Produktionsprozesse darüber hinaus zu optimieren ist meist nicht vorhanden.

Diese „extrinsische Innovationskultur“ im Mittelstand, schnell auf den Markt zu reagieren war und ist neben dem hohen Qualitätsanspruch Kern des Erfolges. Seine Grenzen findet eine solche Strategie, wenn das eigene Geschäftsmodell grundsätzlich gefährdet wird oder sich die Möglichkeiten ergeben, sein Wissen und seine Produkte in anderen Marktsegmenten zu platzieren. Ähnlich wie im „war of Talents“ reicht ein Reagieren auf externe Faktoren nicht mehr aus.

So brachte es ein anderer Teilnehmer der Veranstaltung auf den Punkt: „Wir sollten die Geschäftsmodelle zu erst sehen, die Chancen für neue, besser Geschäfte. Und dann über Technologien reden“.

 

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